Kursinhalt
Gemeinsam leben und entscheiden
Demokratie und Demokratiebildung in der Kita Im Feld der Früh- und Elementarpädagogik gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Praxisprojekten, Initiativen und Netzwerken, die sich mit der Umsetzung von Vorhaben rund um Demokratiebildung beschäftigen (Eberlein et al. 2021). Zentrale Begriffe wie Demokratie, Partizipation und Teilhabe werden dabei in teils unterschiedlicher Bedeutung und unter wechselnden Überschriften (Demokratiebildung, -erziehung, -pädagogik, politische Bildung) verwendet. Außerdem werden Anliegen demokratischer Bildung in zahlreichen Projekten und Initiative zu Inklusion oder Prävention aufgegriffen, ohne dass dies auf den ersten Blick zu erkennen ist. Daraus resultiert eine gewisse Unübersichtlichkeit, die eine Orientierung in der Angebotsstruktur erschwert (ebd.). (In der Bestandsaufnahme von Eberlein et al. (2021) finden sich entsprechende Überblickslisten). An dieser Stelle können wir nur knapp beleuchten, welche Begriffe in welcher Bedeutung für unsere Arbeit relevant sind: Der Begriff Demokratiebildung verdeutlicht, dass sich jedes einzelne Kind in einem durch demokratische Werte geprägten Miteinander bzw. in einer so gestalteten Institution durch die Auseinandersetzung mit seiner Umwelt ausbildet. Pädagogische Settings müssen durch bewusste Gestaltung der Strukturen und zwischenmenschlichen Begegnungen Erfahrungen ermöglichen, die an demokratischen Grundwerten (z. B. Gleichheit, Menschenwürde, Solidarität) ausgerichtet sind und diese explizit und implizit transportieren (Eberlein et al. 2021). Im 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung mit dem Schwerpunkt 'Förderung demokratischer Bildung im Kindes- und Jugendalter' (BMFSFJ 2020) wird ein Demokratiebegriff anhand von drei Dimensionen entfaltet (formal, substanziell, prozesshaft). Für zwei dieser Dimensionen werden "demokratierelevante Kompetenzen" (ebd., 160) formuliert, die für die Kindertagesbetreuung als besonders bedeutsam eingeschätzt werden. An diesen orientieren wir uns auch in unserem Projekt (siehe auch Goll 2021). Zur substanziellen Dimension (= den Kern von Demokratie betreffende Konzepte wie z. B. Gleichheitsprinzip, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte) gehören folgende Kompetenzen: die Fähigkeit zum systematischen Perspektivwechsel, d.h. die Fähigkeit andere Menschen als gleichwertige autonome Personen zu verstehen, die aufgrund anderer Erfahrungen häufig andere Überzeugungen, Wünsche und Emotionen haben, und deren Rechte zu respektieren; die Fähigkeit des Kindes, Grenzüberschreitungen sowie fremde und eigene Diskriminierung und Vorurteile zu erkennen, zu benennen und sich ihnen entgegenzustellen. Hinsichtlich der formalen Dimension von Demokratie (= demokratische Mechanismen zur Erzeugung allgemein verbindlicher Regelungen) sind es drei Kompetenzen: die Fähigkeit, sich selbst Wirksamkeit zuzuschreiben; diese Fähigkeit beinhaltet, sich selbst als Handelnden mit Einflussmöglichkeiten auf andere Personen und die Welt wahrzunehmen, d.h. Selbstwirksamkeitserwartungen auszubilden; die Fähigkeit, Regeln infrage zu stellen, an Veränderungen von Regeln mitzuwirken und Regeln als eigene Regeln anzuerkennen; die Fähigkeit zur diskursiven Rationalität, d. h. die Fähigkeit, eigene und fremde Überzeugungen prinzipiell als begründungspflichtig zu verstehen und selbst Begründungspraktiken anzuwenden. In diesem Modul liegt der Fokus auf Demokratie und Demokratiebildung in der Kita mit dem Schwerpunkt auf Mitbestimmung, Abstimmungen und dem Mehrheitsprinzip (also auf der formalen Dimension von Demokratie). An dieser Fokussierung soll beispielhaft deutlich werden, dass nicht alle Kinder zu jedem Zeitpunkt und in gleicher Weise über Kompetenzen und Fähigkeiten verfügen, um sich aktiv zu beteiligen. So setzen Beteiligungsformate wie Kinderkonferenzen oder Abstimmungsformen Fähigkeiten voraus - wie z. B. verbale Ausdrucksmöglichkeiten, Mengenverständnis, Verstehen von Regelwerken - über die Kinder unterschiedlich verfügen. Entsprechende Teilfähigkeiten sollten also gefördert werden, damit nicht nur diejenigen Kinder von Beteiligungsformaten profitieren, die durch ein förderliches familiäres Umfeld, schon über die entsprechenden Kompetenzen verfügen (Eberlein et al. 2021). Ein Schwerpunkt unserer Forschung lag auf dem Mehrheitsprinzip, zu dem Sie in diesem Modul auch Übungen und Material finden. Das Modul ist in 3 Teile untergliedert: Selbstreflexion: Hier geht es um Ihre persönliche Perspektive auf Demokratie und Demokratiebildung in der Kita Nahfeld Kita: Hier geht es um Angebote zur Demokratiebildung in der Kita und - mit Blick auf unser Forschungsprojekt - um die Perspektive von Kindern auf gesellschaftliche und politische Themen. Kita-Umfeld: Hier geht der Blick über die Kita hinaus. Wo können Kinder noch Regeln des Zusammenlebens wahrnehmen? Wie schauen Kinder auf ihren Stadtteil?
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Unsere Umwelt schützen und gestalten
Die Welt mit Medien wahrnehmen und verstehen
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Aufgabe 1.1.1: Demokratieförderliche Kompetenzen

Die Formulierungen zu den demokratieförderlichen Kompetenzen (siehe Einführungstext in das Modul) sind abstrakt formuliert. Füllen Sie diese mit Leben und aktivieren Sie dabei Ihre Vorerfahrungen: Welche Aktivitäten, Projekte, kleine pädagogische Impulse aus Ihrer Praxis fallen Ihnen ein, mit denen diese  Kompetenzen oder Teile daraus gefördert werden?